Pflege für ältere Menschen in Deutschland und China

Pflege für ältere Menschen in Deutschland und China

In diesem Artikel werden zwei Pflegemodelle für ältere Menschen in Deutschland und China skizziert. In Anlehnung an das Modell des europäischen Sozialstaats hat Deutschland ein gesetzliches Pflegeversicherungsprogramm aufgelegt, um mehrere Akteure wie Familienangehörige, Vermittlerorganisationen, Non-Profit-Organisationen und private Leistungserbringer in eine Versorgungsstruktur innerhalb einer obligatorischen Sozialversicherungsversicherung zu integrieren System, in dem der Sozialstaat als Gesetzgeber und Regulierer für die öffentliche Pflege fungiert.

Verglichen mit dem deutschen System verfügt China über ein rudimentäres Pflegesystem, das durch ein Hybridmodell gekennzeichnet ist, das sich sowohl auf die konventionelle Familienpflege als auch auf die private Einzelversicherung stützt. Nach der Einführung der Altenpflege in beiden Ländern untersucht dieser Übersichtsartikel die Möglichkeit, das deutsche Modell der Pflegeversicherung nach China zu übertragen, um das zunehmende Problem der Altenpflege zu reduzieren.

Die steigende Nachfrage nach Altenpflege und unterentwickelten öffentlichen Pflegeleistungen stellt eine große Herausforderung für die heutige chinesische Gesellschaft dar.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die alternde Bevölkerung zunehmend zu einem ernsthaften globalen Problem entwickelt. Nicht nur die Industrienationen, sondern auch die Transformationsländer haben drastische demografische Veränderungen durchgemacht.

In diesem Prozess war das Thema der Altenpflege für viele OECD-Länder der Diskussionspunkt. Gegenwärtig hat dieses Thema die Grenzen der OECD-Länder überschritten und ist zunehmend ein Problem für die Transformationsländer geworden. Wie können Industrieländer und Schwellenländer angesichts der anhaltenden Beschleunigung der demografischen Alterung das Problem der Pflege älterer Menschen mit Behinderungen lösen?

Dieser wissenschaftliche Artikel befasst sich mit der Altenpflege in zwei Ländern – Deutschland und China, die beide ähnliche demographische und soziale Herausforderungen hatten.

In Deutschland, einer der wichtigsten Industrienationen, ist die Gesamtfertilitätsrate (TFR) von 2,0 im Jahr 1970 auf 1,40 im Jahr 2011 gesunken, während die Lebenserwartung von 69,3 Jahren im Jahr 1960 auf 80,7 Jahre im Jahr 2011 gestiegen ist. Als größte Übergangswirtschaft China hat auch einen dramatischen Rückgang der Geburtenrate und eine stetige Zunahme der Lebenserwartung erlebt.

Ihre TFR ist von 5,5 im Jahr 1970 auf 1,60 im Jahr 2011 gesunken, während die Lebenserwartung zwischen 1960 und 2011 um mehr als 30 Jahre gestiegen ist (von 43,5 auf 75,0 Jahre) [1]. Bis zum Jahr 2010 machen Personen ab 60 Jahren in Deutschland 26,3 Prozent der Gesamtbevölkerung aus [2]; In China gibt es 177 Millionen Menschen im Alter von 60 und mehr Jahren, was 13,26 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht [3]. Beide Länder stehen vor dem zunehmenden Problem der Bevölkerungsalterung und der Altenpflege.

Diese beiden Länder wurden zum Vergleich ausgewählt, da beide institutionelle Ähnlichkeiten im Bereich der Sozialpolitik aufweisen. Deutschland ist die erste Nation der Welt, die in der Zeit von Bismarck umfassende Sozialversicherungssysteme wie Altersversicherung, Krankenversicherung und Arbeitsunfallversicherung geschaffen hatte. Historisch gesehen haben ostasiatische Nationen wie Japan und China stets ein starkes Verlangen und großes Interesse gezeigt, von den Sozialversicherungssystemen des preußischen und des vereinten Deutschen Reiches zu lernen.

Dieses historische Erbe der bilateralen Verknüpfung beeinflusst die gegenwärtige Entwicklung des Sozialschutzes in Ostasien . Zum Beispiel hat China versucht, das System der Berufsunfallversicherung Deutschlands seit 2005 einzuführen [1,2]. Im Bereich der Krankenversicherung hat sich China auch an das Sozialversicherungsmodell von Bismarck gewandt, indem es seit den 1990er Jahren ein städtisches Krankenversicherungssystem und ein neues ländliches genossenschaftliches medizinisches System eingeführt hat.

Im Gegensatz zum britischen Beveridge-Modell wird das Sozialversicherungssystem wie das Gesundheitssystem in China und Deutschland durch Versicherungsbeiträge finanziert, nicht durch Lohnsteuern. Aufgrund der langjährigen sozialen und kulturellen Verwandtschaft zwischen Westeuropa und Ostasien ist es logisch, die Frage zu stellen, ob das heutige China vom deutschen Pflegemodell lernen kann, ein brandneues Pflegeversicherungssystem zu schaffen.

Ein bilateraler Vergleich der Pflegemodelle Deutschlands und Chinas

Die Häusliche Altenpflege in Deutschland wurde mit einem Idealmodell des kontinentalen Wohlfahrtsstaatsmodells in Verbindung gebracht, das eine umfassende Verantwortung für das soziale Wohl aller Bürger trägt [3-5]. Ursprünglich beantragten pflegebedürftige Personen Unterstützung aus dem Krankenversicherungssystem und dem allgemeinen Haushaltshilfeprogramm.

Die steigenden Ausgaben für pflegebedürftige Bürger waren jedoch sowohl für das Krankenversicherungssystem als auch für das Haushaltshilfeprogramm eine schwere Belastung. Ständige Investitionen in die Altenpflege durch das traditionelle System der sozialen Sicherheit haben die finanzielle Situation des Systems zusätzlich belastet [6]. In den 1990er Jahren führte eine heftige Debatte darüber, ob die Langzeitpflege von anderen Sozialversicherungsprogrammen getrennt werden sollte, zu einer Gesetzesänderung, die 1994 vom Bundestag verabschiedet wurde, die ein Jahr später in Kraft trat. Diese Veränderung war ein Meilenstein in der Geschichte des deutschen Sozialstaates.

Ein Jahrhundert nach der Geburt des modernen Sozialversicherungssystems wurde das Gesetz über die gesetzliche Pflegeversicherung (SLCI) geschaffen und in das allgemeine Sozialversicherungsprogramm aufgenommen [7].

Die SLCI hat einige Merkmale mit anderen Systemen gemeinsam, weist jedoch auch ihre eigenen Besonderheiten auf. Wie in der Sozialversicherung XI (SSC XI) [8] vorgeschrieben, sind auch alle Personen, die von der Krankenversicherung versichert sind, in die Pflegeversicherung aufgenommen. Da die Versicherung obligatorisch ist, ist die Mehrheit der deutschen Bevölkerung von diesem neuen Programm abgedeckt.

Die Finanzierung des SLCI basiert auf dem konventionellen „Paritätsprinzip“ im deutschen Sozialstaat, dh Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen sich die Versicherungsprämien. Diese Zahlung belief sich zu Beginn auf 1,7 Prozent des Grundeinkommens und beträgt nun nach einer inkrementellen Erhöhung der Beiträge 2,05 Prozent des Einkommens. Wie das Krankenversicherungssystem ist das SLCI ein System mit einem hohen Verteilungs- und Inklusionsgrad, da fast alle Arbeitnehmer unabhängig von ihrer Risikoklasse Versicherungsbeiträge für das SLCI zahlen müssen.

Personen, die in die höchsten Risikokategorien fallen und dringend Hilfe benötigen, wie ältere Menschen und chronisch Kranke, müssen keine zusätzlichen Prämien zahlen. Durch diese Organisation des Systems ist ein Verteilungseffekt zwischen Personen mit hohem und geringem Risiko aufgetreten [11]. Der Veranstalter von SLCI, der Nursing Care Insurance Fund (NCIF), kann nicht verhindern, dass Personen mit hohem Risiko beitreten. Das Prinzip der Inklusion stellt sicher, dass alle in Deutschland ansässigen Personen gleichen Zugang und gleichen Anspruch auf die SLCI haben (ebd.).

Der SLCI in Deutschland zeichnet sich durch besondere Merkmale aus, die ihn von anderen Arten der Sozialversicherung unterscheiden. Erstens werden pflegebedürftige Personen in drei verschiedene Stufen eingeteilt, nach denen unterschiedliche Zulagen und Sachleistungen erbracht werden. Die Pflegeebene I ist für die stark bedürftige, die Pflegestufe II für die stark bedürftige und die Pflegestufe III für die am schwersten behandelten Bedürfnisse.

Die Definition der verschiedenen Betreuungsgrade wird von den Krankenversicherungen der Krankenkassen festgelegt, und die Zuordnung zu einer der Betreuungsstufen bestimmt, welche Leistungen die Bedürftigen in Anspruch nehmen können. In jeder dieser drei Pflegeebenen kann der Einzelne entscheiden, ob er Geldleistungen oder Pflegeleistungen (Sachleistungen) in Anspruch nehmen möchte.

In der Kategorie häusliche Pflege bevorzugen die meisten Begünstigten die Zahlung von Geldleistungen (Pflegegeld) für ihre Familienangehörigen. Zum Beispiel können Personen, deren Bedürfnisse auf Betreuungsniveau diagnostiziert werden, einen Pflegegeld in Höhe von 235 Euro oder Sachleistungen in Höhe von 450 Euro beantragen. Die Begünstigten, die stationäre Pflege benötigen, haben normalerweise keine andere Wahl, als Pflegeleistungen statt Geld zu beanspruchen (Tabelle 1). In Pflegebedürftigkeit III können 1.918 Euro als Erstattung für Pflegeleistungen ausbezahlt werden.

 

 

Quellen 

Liu T (2010) GlobaleWissensdiffusion und nationale Adaption imBereich der wohlfahrtsstaatlichenEntwicklung: Eine Fallstudie zur Entwicklung der Arbeitsunfallversicherung in der VR China. Dissertation, Universität Bielefeld

Leisering L and Liu T (2010) “GlobaleWissensdiffusion in der Sozialpolitik. Die Einführung der Arbeitsunfallversicherung in China”. ZeitschriftfürSozialreform 55: 175-206.

Esping-Andersen G (1990) The three worlds of welfare capitalism. Cambridge: Polity Press

Kaufmann FX (1997) Herausforderung des Sozialstaates. Frankfurt am Main: Suhrkamp 

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